Fenster und ihre Verbrechen
Alle drei Minuten geschieht in Deutschland ein Einbruch – Tendenz steigend. Dabei sind die anschließend herbeigerufenen Polizisten oft überrascht, wie leicht es den Einbrechern gemacht wurde. So sind Fenster oft nicht ausreichend gesichert und bieten einen leichten Einstieg in das Haus, die Wohnung oder das Gewerbeobjekt. Sinnvoll ist eine systematische Schwachstellenanalyse, die jedes Fenster als potenzielle Einstiegsmöglichkeit sieht und Maßnahmen zum Schutz vor Kriminellen bietet.
Fenster, Einbrecher und ihre Opfer: warum die Polizei häufig fassungslos ist.
Wenn Polizisten zu einem Einbruch gerufen werden, sind sie manchmal fassungslos über den Leichtsinn der Opfer: „Ich hätte nie gedacht, dass einmal bei mir eingebrochen wird.“ Den Grund dafür können die meisten nicht nennen. Andere sagen: „Aber bei mir ist doch nichts zu holen.“ Und doch ist der finanzielle Schaden oft größer als gedacht, und so manches mal geht es ja auch um ideelle Werte wie Andenken, Erinnerungen und Erbstücke, die von Einbrechern entwendet und von den Bewohnern schmerzlich vermisst werden. In vielen Fällen kommen die Täter durch die Fenster, und auch hier zeigt sich, dass viel zu wenig Vorsorge getroffen wird. Experten schätzen, dass mehr als 90 % der Fenster und Fenstertüren über keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen gegen Einbrüche verfügen, obwohl in Deutschland alle drei Minuten ein Einbruch geschieht. Neben den Schäden müssen die Opfer oft auch ein gesundheitliches Risiko tragen: viele sind durch die Einbrüche traumatisiert und müssen umziehen, da sie sich nicht mehr sicher fühlen. Als ersten Schritt für mehr Sicherheit gegen Einbrecher empfiehlt sich eine Schwachstellenanalyse. Hierbei wird geprüft, ob das private Wohnhaus, das Privathaus oder das Gewerbeobjekt Schwachstellen aufweist, die Einbrechern einen Einstieg ermöglicht. Neben Fenstern und Glastüren rät die Polizei, auch Dachluken und Kellerschächte zu prüfen, da diese oft genug eine Einladung für die Einbrecher darstellen.
Sicherheitsbewertung: Gelegenheit beim Fenster macht Einbruch
Doch welche der Einstiegsmöglichkeiten stellen nun tatsächlich eine realistische Möglichkeit für Einbrecher dar, in das Gebäude einzudringen? Die Bewertung ist nicht trivial, da alle Umstände berücksichtigt werden müssen. So sind zunächst vor allem die Fensteröffnungen in den unteren Etagen gefährdet, weil sie ohne oder mit geringer Steighilfe erreicht werden können. Im Zweifel kann z.B. ein Auto geparkt und über dessen Dach ein Fenster erreicht werden. Diese Fenster sind also auf jeden Fall gefährdet, auch dann, wenn sie von vielen Seiten leicht einsehbar und/oder das Umfeld in der Nacht gut ausgeleuchtet ist.
Gute Einsehbarkeit beim Fenster schützt nur bedingt
Viele Opfer von Einbrüchen bezeichnen solche Einstiege als „dreist“, weil sie glauben, dass die Einbrecher ein großes Risiko eingegangen sind. In Wirklichkeit erkunden diese das Gelände sehr genau, passen die Zeiten, in denen das Umfeld verwaist ist, ab und tarnen sich als Gartenarbeiter oder Monteure. Auf diese Weise gelingt der unbemerkte Einstieg, den niemand für möglich gehalten hat. Oder der Einstieg wird zwar beobachtet, aber nicht für einen Einbruch gehalten. Dennoch gilt natürlich, dass wenig einsehbare Gebäudeteile mehr gefährdet sind als dies bei gut einsehbaren Gebäudeteilen der Fall ist. Ein weiteres Kriterium für eine Gefährdung ist die Personenfrequenz, d.h. wie viele zufällige Passanten an einem gefährdeten Gebäudeteil vorbeikommen. Je zufälliger und häufiger dies passiert, desto höher und unkalkulierbarer ist das Risiko für die Kriminellen und desto eher werden sie von ihrer Tat absehen.
Auch höher gelegene Fenster bieten Einstiegsmöglichkeiten
Doch auch höher gelegene Fenster müssen nach Ansicht der Polizei geschützt werden. So gibt es in vielen Fällen Flachdächer, über die Einbrecher einsteigen können. Häufig stellt sich dabei im Nachhinein fest, dass z.B. eine neue Garage an ein bestehendes Haus angebaut wurde und sich niemand Gedanken gemacht hat, ob sich dadurch die Sicherheitslage ändern könnte. Kriminelle sind dankbar für solche Einladungen. Deshalb muss die Schwachstellenanalyse auch berücksichtigen, wenn Fenster z.B. durch Steighilfen für den Schornsteinfeger erreicht werden können. Feuerleitern sind ebenfalls eine gern genutzte Hilfe für Einbrecher.
Physische Barrieren verhindern am ehesten den Einbruch
Viele glauben, dass sie mit einer Alarmanlage den Schutz vor einem Einbruch deutlich verbessern können. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass diese keineswegs den Einbruch als solches verhindern, sondern lediglich ein Alarmsignal ausgelöst wird. Bis dieses wahrgenommen und die Polizei gerufen wird und diese dann auch endlich an Ort und Stelle ist, können die Einbrecher schon längst über alle Berge sein. Es gilt also vor allem, physische Barrieren gegen einen Einbruch zu realisieren, also Mechanik vor Elektronik. Dazu gehört vor allem die richtige Befestigungstechnik, die verhindert, dass Fensterrahmen aufgebogen oder aufgestemmt werden und auch dann Sicherheit bieten, wenn Einbrecher brachiale Gewalt ausüben. Dazu muss auch die Verankerung in der Wand z.B. mit Spreizdübeln eine ausreichende Stabilität bieten. Last but not least kommt auch dem Fenster selbst eine große Bedeutung zu. Sicherheitsgläser verhindern, dass die Scheiben eingeschlagen werden können.
Zahlreiche weitere Informationen zum Thema Fenster und Einbruchschutz bieten die Beratungsstellen der Polizei. Nutzen Sie z.B. die PLZ-Suche, um regionale Angebote vor Ort zu nutzen. So gibt es häufig das kostenlose Angebot, durch Polizeiberater oder Fachbetriebe eine Schwachstellenanalyse vornehmen zu lassen.